Lipizzaner Gestüt Piber ist Vorzeigebeispiel für Kreislaufwirtschaft

Lokalaugenschein Lipizzanergestüt Piber
Foto: BML / APA OTS Fiedler

Das Lipizzaner Gestüt Piber in der Steiermark sichert mit erfolgreicher Zuchtarbeit nicht nur den Bestand der einzigartigen Lippizaner, sondern ist auch ein Vorzeigebeispiel für innovative Kreislaufwirtschaft. 

Bei seinem Besuch am Gestüt Piber sagte Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig über diese österreichische Institution: „Die Spanische Hofreitschule ist seit über 450 Jahren ein wichtiger Teil der österreichischen Identität. Das Gestüt Piber ist die Wiege des Erfolges unserer weißen Hengste. Hier werden sie geboren und dürfen nach einem intensiven Arbeitsleben ihre verdiente Pension verbringen. Piber trägt aber nicht nur zur nachhaltigen Sicherung unserer Lipizzaner als UNESCO Kulturerbe bei, sondern ist auch ein Vorzeigebeispiel für Kreislaufwirtschaft."

Leitbetrieb der Kreislaufwirtschaft

Am Gestüt Piber wird eine Reihe von Maßnahmen gesetzt, die es zu einem Vorzeigebeispiel für Nachhaltigkeit: macht. So wird mit kontinuierlicher Umstellung der Landwirtschaft bis Ende 2022 eine abgeschlossene Kreislaufwirtschaft ermöglicht, mit der der gesamte Eigenbedarf an Heu in Piber, in der Spanischen Hofreitschule Wien und im Trainingszentrum am Heldenberg gedeckt werden kann. Dafür wurden unter anderem verpachtete Grundstücke auf dem insgesamt 550 Hektar großen Areal, das das Gestüt samt Almen und Wald umfasst, zurückgenommen.

Auch die Bewirtschaftung der Stubalm und Brentalm auf 1.500 beziehungsweise 1.700 Metern wird aktiv betrieben, um sie als Sommerweiden für die Junghengste und Stuten zu erhalten.  Mit einer Streuobstwiese wird die Förderung der Insektenvielfalt forciert. "Das Gestüt ist landwirtschaftlich also sehr innovativ unterwegs. Das ist nicht nur für unsere Lipizzaner gut, sondern auch für die Region und die Umwelt.“, so Minister Totschnig. Dank einer neuen Heutrocknungsanlage, die mit Hackschnitzel beheizt wird, können jährlich bis zu 5.000 Heuballen getrocknet werden.

7,5 Tonnen Pferdemist werden zur Düngung der eigenen Weiden und der Almflächen genutzt und auch als Rosendünger an die Bundesgärten geliefert. Die Bewirtschaftung der vom Gestüt gepachteten Almflächen (bis zu 1200m hoch) wird aktiv betrieben, um sie als nachhaltige Sommerweiden für die Pferde (Junghengste und Stuten) von Mitte Mai bis Ende September zu erhalten. Die Mitarbeiter des Gestüts übernehmen die nachhaltige Bewirtschaftung der Almflächen (Schneiden von kleinen Bäumen, Abdecken des Bodens mit Mulchen, Einsaat).

Im Probelauf befindet sich ein neues Mähgerät für die 500 Hektar Mäh- und Weideflächen, welches die Wiesen und Weideflächen so schonend mäht, dass vor allem Kleintiere geschützt werden, was durch große Geräte nicht der Fall ist. Zur Förderung der Insektenvielfalt und Erhaltung der Tiere wurde weiters im Mai 2022 eine Streuobstwiese errichtet.

Darüber hinaus wurden 29 Nisthilfen durch 50 neu gepflanzte Obstbäume geschaffen, um für Vögel und Fledermäuse einen neuen Lebensraum zu schaffen und Insekten anzulocken, die als Bestäuber dafür sorgen, dass aus bunten Blüten schmackhaftes Obst wird. Zu dieser besonderen Art der Lipizzaneraufzucht und der Gestütsbewirtschaftung sagte Gestütsleiter Erwin Movia „Mit der natürlichen und artgerechten Aufzucht unserer Lipizzaner haben wir in Piber ein internationales Alleinstellungsmerkmal. Unsere Hengste und Stuten wachsen auf den teilweise steilen Alm -und Weideflächen auf. Das führt dazu, dass unsere Pferde bereits in den ersten Monaten und Jahren ihre Muskeln und Gelenke für eine lange Lebensdauer stärken und ausbilden. Das erfordert eine entsprechende landwirtschaftliche Bewirtschaftung, die sich für Kreislaufwirtschaft anbietet. Beim Heu sind wir Selbstversorger, der Pferde-Mist wird wiederum als Dünger für unsere landwirtschaftlichen Flächen verwendet. Außerdem testen wir moderne Mähgeräte und legen Streuobstwiesen an, um dir Artenvielfalt zu stärken.“

Als erstes Fohlen des Jahres 2022 wurde am 27. Jänner das Hengstfohlen Neapolitano Graziella geboren. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig übernimmt für das Hengstfohlen die Ehrenpatenschaft. Die letzten Ehrenpatenschaften ergingen an Arnold Schwarzenegger und Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer.