Diversifizierung hin zu nicht-landwirtschaftlichen Tätigkeiten

Ab-Hof-Gemüseverkauf
Foto: BML / Alexander Haiden

Gerade in Zeiten instabiler Agrarpreise und -märkte ist es für kleinstrukturierte Betriebe ein Vorteil, sich auf mehrere Standbeine zu stützen. Gezielte Vielfalt erhöht die Wettbewerbsfähigkeit und ermöglicht eine zukunftsorientierte, krisenfeste Weiterentwicklung.

Diversifizierung hat in Österreich eine lange und erfolgreiche Tradition. Ihre Formen sind vielfältig: von ländlichem Tourismus, Direktvermarktung über kommunale Dienstleistungen bis hin zu Schule am Bauernhof, Seminarbäuerinnen und Green Care.

Direktvermarktung

Eine KeyQUEST-Studie aus dem Jahr 2016 belegt, dass Eier, Milch, Käse, Würste, Schnäpse und viele andere Köstlichkeiten von 27 Prozent der Bäuerinnen und Bauern (36.000 Betriebe) auch im eigenen Hofladen selbst vermarktet werden. Der Trend geht dabei in Richtung Professionalisierung: Die Zahl der „Intensiv- Direktvermarkterinnen und -Direktvermarkter“ (17.000 Betriebe), die mehr als 51 Prozent des Einkommens durch Direktvermarktung erzielen, steigt.

Ländlicher Tourismus

Rund 9.900 Bauernhöfe bieten aktuell in Österreich ca. 114.000 Gästebetten in Zimmern oder Ferienwohnungen an – rund 2.350 Betriebe davon als Mitglied im Verein Urlaub am Bauernhof. Tourismus und Landwirtschaft sind eng miteinander verwoben, beide Sektoren prägen den ländlichen Raum stark. Der „Plan T – Masterplan für Tourismus“ des Landwirtschaftwsministerium schlägt vor, die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Tourismus zu verbessern und zu vertiefen.

Green Care

Green Care ist eine innovative Mischung aus Landwirtschaft, Bildung, Gesundheit und Sozialem – zum Beispiel in Form von Pflege- oder Kinderbetreuungsangeboten auf Bauernhöfen. Das schafft Arbeitsplätze und entlastet Familien – eine Win-win-Situation für den Betrieb und die gesamte Region.

Förderungen im Rahmen der ländlichen Entwicklung

Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft verfolgt eine ganzheitliche Strategie. Der Schritt, die Wertschöpfung des landwirtschaftlichen Betriebs durch Diversifizierung zu erhöhen, erfordert Mut und Ausdauer. Professionelle Beratung ist umso wichtiger und wird über das laufende Programm für Ländliche Entwicklung (LE) gezielt unterstützt. Spezielle Projekte fördern auch die zusätzliche Qualifizierung und Weiterbildung. Meist sind zudem Investitionen oder Adaptierungen am Hof notwendig, die mit einem Fördersatz von 20 bis 30 Prozent unterstützt werden. Nicht zuletzt sind oft die Vernetzung der Betriebe, Qualitätssicherung und ein gemeinsamer Markenauftritt sowie die Entwicklung neuer innovative Diversifizierungsprodukte von entscheidender Bedeutung. Insgesamt stehen über das „Programm LE14-20“ rund 80 Millionen Euro für die Diversifizierung zur Verfügung.