Eröffnung der Hängebrücke Forchach und Schlussfeier zum 2. LIFE Projekt am Tiroler Lech

Bild in Bild als Vergleich Fluss Lech hat mehr Platz und kann sich ausbreiten
Foto: BBA Reutte/Reiter

Corona-bedingt wurde die neue Hängebrücke über den Lech bei Forchach noch nicht offiziell übergeben. Das 2. LIFE Projekt am Tiroler Lech endet Ende September 2022. Deshalb besucht Frau Rosi Hingsamer als offizielle Vertreterin der Europäischen LIFE Agentur CINEA das Lechtal. Die ideale Gelegenheit, Versäumtes nachzuholen und auf das LIFE Projekt im Rahmen einer Feier zurückzublicken.

Über 6 Jahre, von September 2016 bis September 2022, war der letzte Wildfluss der Nordalpen Schauplatz eines groß angelegten Flussrevitalisierungsprojektes, das von der Bundeswasserbauverwaltung Tirol zusammen mit dem BML, der Abteilung Umweltschutz des Landes Tirol und dem Wasserwirtschaftsamt Kempten, Bayern, getragen wurde. Rund 6 Millionen Euro flossen in die Region, davon allein 60% oder 3,7 Millionen aus dem Europäischen LIFE Umwelt Fonds. Die restlichen 40% wurden gemeinsam vom Land Tirol und dem Bundesministerium finanziert.

Die Ergebnisse können sich sehen lassen. In 13 Maßnahmenstrecken wurden 7 Kilometer Flussverbauungen bzw. 72.000 Kubikmeter Flussbausteine entfernt, 3 Nebenarme angelegt und 1.300 Laufmeter Buhnen eingekürzt. Im Bereich der Staatsgrenze setzte das Wasserwirtschaftsamt Kempten Maßnahmen zur Beschleunigung der Ufererosion auf deutscher Seite. Damit erlangte das Projekt auch grenzüberschreitenden Charakter. Von der sehr guten Zusammenarbeit profitierten beide Seiten.

2019 ging ein lang gehegter Wunsch vieler Lech-Bewunderer in Erfüllung. Bei der Forchacher Hängebrücke wurde das Flussbett von 80 auf 130 Meter erweitert und gleichzeitig die Fußgänger-Hängebrücke über den Lech erneuert. Damit ist die letzte Engstelle am mittleren Tiroler Lech beseitigt und der Fluss auf einer Strecke von rund 11 Kilometer Länge durchgehend mehrere hundert Meter breit. Außerdem konnte in Verbindung mit der neuen Hängebrücke eine attraktive Besuchereinrichtung geschaffen werden, die spielerisch und interaktiv an das LIFE-Projekt, den Naturpark und das Ökosystem Lech heranführt.

Die Projektpartner setzten aber auch zahlreiche Artenschutzmaßnahmen um. Der Zwergrohrkolben wurde an geeigneten Stellen angepflanzt, mehr als 30 Amphibienlaichgewässer angelegt. Für die Sibirische Azurjungfer, eine Libelle, die im Lechtal ein einzigartiges Vorkommen hat, entstanden zusätzliche Grundwassertümpel. In den Lechauen bei Pinswang, Vils und Musau wurden Biotoppflegemaßnahmen durchgeführt, um die Lebensbedingungen des Wald-Wiesenvögelchens, eines europaweit gefährdeten Schmetterlings, zu verbessern. Durch die umfangreichen Flussbaumaßnahmen wurden auch die Lebensraumbedingungen für Kleinfische wie die Koppe deutlich verbessert.

Die Ergebnisse eines umfangreichen Monitorings zur Erfolgskontrolle zeigen, dass bislang etwa 14 Kilometer „weiche“, ungesicherte Flussufer geschaffen wurden, aus denen rund 23 Hektar neuer dynamisch geprägter Flussraum entstand. Das Potenzial allerdings ist noch weit höher. Im Zusammenhang mit größeren Hochwässern sind in den Maßnahmenstrecken bis zu 62 Hektar weitere Dynamisierungsfläche möglich.

Die nächsten Schritte gibt der aktuelle Managementplan Naturpark Tiroler Lech vor, der im Rahmen des LIFE Projektes erstellt wurde. In einem gemeinsamen Prozess verständigten sich Interessensvertreter aus den Bereichen Naturschutz, Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Tourismus, Wasserwirtschaft und Fischerei auf 175 Einzelmaßnahmen zu den „Säulen“ Naturschutz, Umweltbildung, Erholung, Regionalentwicklung und Forschung. Sie sollen in den kommenden 10 Jahren realisiert werden und damit die positive Entwicklung der Wildflusslandschaft Tiroler Lech weiter fortsetzen.