Solidaritätskorridore in die Ukraine für den Transport von Agrar- und Hilfsgütern

Getreidefeld
Foto: BML

Bis zum heurigen Frühjahr wurden drei Viertel der ukrainischen Getreideproduktion exportiert und sicherten damit rund 20 Prozent der jährlichen Exporteinnahmen des Landes. Durch die russische Invasion ist auch dieser Bereich der ukrainischen Wirtschaft massiv beeinträchtigt.

Exporte sind insbesondere durch die Blockade, Verminung oder Zerstörung der ukrainischen Schwarzmeerhäfen durch den russischen Aggressor drastisch eingeschränkt. Vor dem Krieg wurden mehr als 90 Prozent der Getreide- und Ölsaatenexporte über diese Häfen abgewickelt. Kapazitäten erreichten damals rund fünf Millionen Tonnen Getreide pro Monat. Das entspricht einer Menge von 200.000 Tonnen pro Tag (auf 4 Schiffen), die auf die Verladung warten.

Stabilisierung der weltweiten Agrar- und Lebensmittelmärkte und Verbesserung der globalen Ernährungssicherheit

Damit ukrainische Agrargüter die EU und den Weltmarkt erreichen, und um sicherzustellen, dass die Ukraine auch dringend benötigte Güter der Grundversorgung wie humanitäre Hilfe, Lebensmittel, Futtermittel, Düngemittel und Treibstoff importieren kann, sollten alternative Logistikrouten (als Alternative zum Schiffsgüterverkehr) eingerichtet werden, die die EU mit der Ukraine verbinden.

EU-Ukraine „Solidarity Lanes“

Die Europäische Kommission nahm am 12. Mai 2022 einen Aktionsplan an mit kurz-, mittel- und längerfristigen Maßnahmen vor, um diese Probleme zu lösen. Die Kommission arbeitet mit den Mitgliedstaaten, den ukrainischen Behörden, den Transportunternehmen und allen anderen relevanten Akteuren auf beiden Seiten zusammenarbeiten, um alternative und optimierte Logistikrouten zu schaffen: die „EU-Ukraine Solidarity Lanes“.

Marktteilnehmer in der EU sollen dringend erforderliche Ausrüstung, Fahrzeuge, Lastkähne und Schiffe zur Verfügung stellen. Zwischenzeitlich hat die EU bereits eine EU Matchmaking PlattformEU-Ukraine business matchmaking platform” installiert. Ergänzend gibt es eine EK-Webpage mit Zusatzinformationen Keeping Ukrainian goods moving (europa.eu). Österreichische Logistik-Unternehmen und auch kleinere Agrarhändler sind bereits registriert.

Die Europäische Kommission hat eine Milliarde Euro für den weiteren Ausbau der „Solidarity Lanes“ zugesagt, voraussichtlich insbesondere für den Ausbau von Umladeplätzen an der Grenze der Ukraine zur EU.

Züge bringen Getreide aus der Ukraine nach Österreich

Die Rail Cargo Group (RCG) der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) baut ihre Agrartransporte aus der Ukraine speziell seit Beginn des Krieges aus. Die RCG gilt als „best practice“ Beispiel für EK, auch mit der Initiative „Grain Lane“ GrainLane (grain-lane.com)- auch als Handy App - als Vermittlungsplattform für Verkäufer, Einkäufer und Logistikunternehmen.

Die RCG hat seit Kriegsbeginn rund 750.000 Tonnen Agrarprodukte aus der Ukraine transportiert.

Black Sea Grain Initiative

Das Getreideabkommen wurde Anfang August auf Initiative der Vereinten Nationen und der Türkei mit Russland und der Ukraine bis 18. November 2022 vereinbart. Dieses Abkommen konnte nun um weitere 4 Monate verlängert werden bis zum 19. März 2023. Durch die Schwarzmeer-Initiative konnten bis zum Zeitpunkt der Verlängerung bereits 12,7 Millionen Tonnen Agrarprodukte aus der Ukraine exportiert werden.

Via Black Sea Grain Initiative und Solidarity Lanes konnte das Vorkrisenniveau an monatlichen Agarexporten aus der Ukraine (5 bis 6 Millionen Tonnen) erreicht werden.