120 Millionen Euro Stromkostenzuschuss für die Landwirtschaft

Windräder
Foto: BML / Alexander Haiden

Aufgrund des Ukraine-Krieges stiegen die Betriebsmittelkosten stark an. Zusätzlich zum Entlastungspaket der Bundesregierung, einem 110 Millionen Euro Versorgungssicherungspaket und weiteren Unterstützungsmaßnahmen erarbeitete das Landwirtschaftsministerium nun einen 120 Millionen Euro Stromkostenzuschuss für landwirtschaftliche Betriebe.

Für viele Bäuerinnen und Bauern stellen die aktuell hohen Strompreise eine große wirtschaftliche Herausforderung dar:

„Zusätzlich zu den bereits umgesetzten Entlastungsmaßnahmen stellen wir einen Stromkostenzuschuss für die Landwirtschaft zur Verfügung. Mit einem Volumen von 120 Millionen Euro geben wir eine weitere gezielte und unbürokratische Unterstützung, die nicht nur die Kostenbelastung abfedert, sondern auch die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln nachhaltig sichert."

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig

Der Stromkostenzuschuss im Detail

  • Für den Stromkostenzuschuss stehen 120 Millionen Euro zur Verfügung.
  • Die Maßnahme wird als Sonderrichtlinie des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft (BML) auf Basis des Landwirtschaftsgesetzes umgesetzt.
  • Eine möglichst zielgerichtete und unbürokratische Abwicklung soll sicherstellen, dass die Lebensmittelversorgung Österreichs auch weiterhin gewährleistet bleibt. 
  • Das Umsetzungsmodell wurde vom BML gemeinsam mit der Interessensvertretung und der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen erarbeitet. Abwicklungsstelle ist die Agrarmarkt Austria (AMA).
  • Die Auszahlung des Stromkostenzuschusses Landwirtschaft erfolgt für Stufe 1 im zweiten Quartal 2023 sowie für Stufe 2 im zweiten Halbjahr 2023.

Die Umsetzung erfolgt in zwei Stufen:

1. Stufe: Pauschaler Zuschuss mit Flächen- und Tierbezug

  • Fördervoraussetzung: Zum Zeitpunkt der Abgabe des Mehrfachantrags wurden am Betrieb mindestens 3 GVE gehalten oder
    • 0,5 Hektar Flächen im geschützen Anbau (unabhängig von der Nutzungsart A oder GA) oder
    • 1 Hektar Dauer-/Spezialkulturen (z.B. Obst, Hopfen, Wein) oder
    • 1,5 Hektar landwirtschaftlich genutze Fläche bewirtschaftet.
  • Der Zuschuss wird differenziert nach flächen- und tierbezogenen Bewirtschaftungseinheiten (Hektar/Großvieheinheiten) berechnet.

  • Basierend auf dem pauschalen Stromverbrauch wird ein Zuschuss in Höhe von etwa 10,4 Cent pro kWh ausbezahlt.
  • Für Betriebe mit Milcherzeugung wird ein Zuschlag je GVE gewährt.
  • Als Sockelbetrag werden jedenfalls 100 Euro pro Betrieb ausbezahlt.
  • Für die meisten der rund 110.000 Betriebe bilden die Daten aus dem Mehrfachantrag 2022 die Berechnungsrundlage. Für sie wird ein Autoantrag umgesetzt. Betriebe ohne Mehrfachantrag 2022 können diesen bis 31.12.22 nachreichen. Tierhaltende Betriebe haben eine Stichtagstierliste zum 01.04.22 oder eine Durchschnittstierliste vorzulegen.

2. Stufe: Verbrauchsabhängiger Zuschuss

  • Folgende stromintensive Betriebszweige und Tätigkeitsfelder der landwirtschaftlichen Urproduktion bzw. des landwirtschaftlichen Nebengewerbes sowie sontiger nicht gewerblicher Art können darüber hinaus einen Antrag basierend auf dem tatsächlichen Stromverbrauch stellen:
    • Elektrisch betriebene Beregnung landwirtschaftlicher Flächen
    • Elektrisch betriebene Belüftung, Kühlung oder Trocknung landwirtschaftlicher Erzeugnisse
    • Produktion von Gemüse, Obst oder Zierpflanzen im geschützten Anbau
    • Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse in Innenräumen mit Einsatz elektrisch betriebener Anlagen (beispielsweise Pilze, Hanf, Schnecken, Insekten)
    • Aquakultur und Teichwirtschaft mit Einsatz elektrisch betriebener Anlagen
    • Weinproduktion
    • Be- und Verarbeitung sowie Direktvermarktung landwirtschaftlicher Produkte
    • Buschenschank und Almausschank
    • Vermietung von Privatzimmern oder Ferienwohnungen
  • Als Nachweis für die Berechnung der Bemessungsgrundlage wird der Durchschnitt aus den 2 letzten Jahresabrechnungen zu Grunde gelegt
  • Als Mindestschwelle werden je Betrieb 7.500 kWh Stromverbrauch festgelegt.
  • Nach Abzug der möglichen pauschalen Abgeltung der 1. Stufe und unter Berücksichtigung der Mindestschwelle wird die errechnete Bemessungsgrundlage mit etwa 10,4 Cent/kWh bezuschusst.
  • Die elektronischen Anträge mit den erforderlichen Nachweisen sind bei der AMA bis 17.04.23 einzureichen. Voraussetzung ist auch hier der Mehrfachantrag 2022. Eine Nachreichung ist ebenfalls bis 17.04.23 möglich.

Beispielsweise verbucht so ein mittlerer Milchviehbetrieb mit einem Jahres-Stromverbrauch von 18.600 kWh, 35 Hektar Dauergrünland und 30 RGVE eine Entlastung von 1.933 Euro.

Nähere Informationen finden sie unter www.landwirtschaft.at sowie im aktuellen AMA-Merkblatt "Stromkostenzuschuss" .

TippTipp

Unter Entlastungsrechner-Landwirtschaft: Wie wirken sich die Entlastungsmaßnahmen auf Ihren Betrieb aus? | Landwirtschaftskammer Niederösterreich (lko.at) kann die Auswirkung der Entlastungsmaßnahmen auf den eigenen Betrieb unkompliziert und schnell berechnet werden.