Zahlen und Fakten rund um den Schutz vor Naturgefahren

Wildbachverbauung
Foto: BML / Alexander Haiden

Zahlreiche Naturgefahren bedrohen in Österreich den Lebens- und Wirtschaftsraum. Hier sind Zahlen und Fakten rund Naturgefahren und entsprechende Schutzmaßnahmen und grafisch und textuell aufbereitet.

Auszug aus der Broschüre "Zahlen und Fakten 2021" (2. Ausgabe, Redaktionsschluss: November 2021)

In extremen Fällen bedrohen sie auch das Leben und die Gesundheit der Menschen. Der Schutz vor Naturgefahren zählt daher zu den wichtigsten Sicherheitsaufgaben des Staates, die öffentlichen Investitionen in Schutzinfrastruktur sind Teil der Daseinsvorsorge. Österreich verfügt über ein gut ausgebautes und funktionsfähiges Schutzsystem gegen Naturkatastrophen. Der Schutz vor Naturgefahren ist eine verfassungsmäßige Aufgabe des Bundes und wird im Bereich des BMLRT von der Bundeswasserbauverwaltung (BWV) sowie der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) wahrgenommen. Zu den wichtigsten lokalen Akteuren zählen Gemeinden, Wasserverbände und Wassergenossenschaften. Die Maßnahmen umfassen insbesondere technische Schutzinfrastrukturen, Schutzwald sowie die Gefahrenzonenpläne. Diese Planungen informieren die Bevölkerung über die von Naturgefahren bedrohten Gebiete, die für eine Nutzung als Siedlungs- oder Wirtschaftsraum nur eingeschränkt oder gar nicht nutzbar sind.

Grafik Der digitale Wildbach- und Lawinenkataster - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

Naturkatastrophen nehmen in Österreich unter dem Einfluss des Klimawandels tendenziell zu. Insbesondere lokale Starkniederschläge können schwer vorhersehbare Extremereignisse auslösen. Neue Risiken und Anpassungsbedarf ergeben sich durch Dürre, Stürme, Waldbrand oder Borkenkäferkalamitäten, insbesondere im Bereich des Schutzwaldes. Der steigenden Verletzlichkeit des menschlichen Lebensraums kann nur durch eine nachhaltige Weiterentwicklung und Investition in Schutzinfrastruktur sowie die Pflege der Schutzwälder entgegengewirkt werden.

Grafik Schutz vor Naturgefahren - Gesamtmittel 2020 - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

Schutz vor Naturgefahren – Gesamtmittel 2020

Große Bedeutung haben Maßnahmen zur Erhaltung der bestehenden Schutzinfrastruktur sowie zur unmittelbaren Behebung von Katastrophenschäden (Sofortmaßnahmen). Durch den Klimawandel nehmen sowohl Oberflächenabflüsse als auch von Gewässern transportierte Sedimentmassen zu. Murgänge und Rutschungen, die innovative Schutzkonzepte erfordern, häufen sich. Daher wird neben der Maßnahmensetzung auch laufend in die Weiterentwicklung der Schutztechnologie investiert. Auch Schutzwald und Lawinenschutz haben in den letzten Jahren neue Bedeutung gewonnen. Nach dem Lawinenwinter 2019 hat die Bundesregierung ein Sonderpaket für den Lawinenschutz im Ausmaß von 45 Millionen Euro beschlossen. Ebenso wurde auf Grundlage der österreichischen Waldstrategie 2020+ ein Aktionsprogramm Schutzwald beschlossen, welches in den nächsten Jahren schrittweise umgesetzt werden soll. Der große Handlungsbedarf ergibt sich aus der zunehmenden Bedrohung durch Extremereignisse mit zerstörerischer Wirkung für Schutzwälder, wie zum Beispiel den Sturm Vaia im Oktober 2018. Mehr dazu unter www.schutzwald.at.

Grafik Schutz vor Naturgefahren - Investitionen Bund 2020 - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

Schutz vor Naturgefahren – Investitionen Bund 2020

Im Jahr 2020 hat der Bund mehr als 153 Millionen Euro in den Schutz vor Naturgefahren in Österreich investiert. Die Bundesmittel werden je nach Bedarf auf die einzelnen Bundesländer aufgeteilt. So wurden mehr als 1.300 Projekte ermöglicht, die Siedlungen und wichtige Infrastruktur nachhaltig schützen.

Gefahrenzonenplanungen in den Gemeinden

Der Gefahrenzonenplan (GZP) ist ein flächenhaftes Gutachten über die Gefährdungen durch Hochwässer, Wildbäche und Lawinen. Er dient als Grundlage für Schutzmaßnahmen, die Raumplanung sowie das Bau- und Sicherheitswesen. Die in der Grafik abgebildete Österreichkarte gewährt einen Überblick, in welchen Gemeinden Gefahrenzonenpläne in großen Maßstäben zur Einsicht aufliegen. Die Pläne können im Internet unter www.naturgefahren.at sowie www.hora.gv.at abgerufen werden.

Grafik Gefahrenzonenplanungen in den Gemeinden - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

Laufende und geplante Projekte des Wasserbaus mit einer Investitionssumme von über 1 Million Euro

Unsere Flüsse und Bäche sind wichtige Lebensräume für viele Tiere und Pflanzen, stellen aber bei Hochwasser auch eine Gefahr für Siedlungen und Infrastruktureinrichtungen dar. Damit wir vor Hochwasser weiterhin gut geschützt sind, fördert das Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMLRT) den Ausbau und die Erweiterung von Hochwasserschutzanlagen in ganz Österreich. Die Österreichkarte gibt einen Überblick über die sich in Umsetzung befindlichen oder geplanten Projekte des Wasserbaus mit einer Investitionssumme von über 1 Million Euro. Im Jahr 2020 wurden 8.000 zusätzliche Personen vor Hochwasser geschützt. Weitere Informationen unter www.bmlrt.gv.at/wasser

Grafik Laufende und geplante Projekte des Wasserbaus mit einer Investitionssumme von über eine Million Euro - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

Investitionen der Wildbach- und Lawinenverbauung im Jahr 2020 in den Gemeinden

Im Jahr 2020 hat die Wildbach- und Lawinenverbauung den Schutz von Menschenleben, Siedlungen und wichtiger Infrastruktur vor Naturgefahren wie Wildbächen, Lawinen, Steinschlag und Rutschungen in 654 Gemeinden mit gezielt gesetzten Maßnahmen verbessert.

Grafik Investitionen der Wildbach- und Lawinenverbauung im Jahr 2020 in den Gemeinden - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen
Grafik Neu geschaffene Hochwasserrückhalteräume 2014-2020 - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

Neu geschaffene Hochwasserrückhalteräume in Österreich 2014–2020

Heute zielen viele Maßnahmen zum Schutz vor Hochwasser darauf ab, an Flüssen den Wasserrückhalt zu verbessern und die Überflutungsflächen zu sichern sowie Altarme und Seitengewässern wieder an die Flüsse anzubinden. Um auch die Gewässerqualität und die Gewässerlebensräume zu verbessern, werden immer auch ökologische Maßnahmen mitgeplant. In vielen Fällen entstehen zusätzlich zum verbesserten Hochwasserschutz neue naturnahe Flusslebensräume sowie attraktive Orte zur Naherholung und Freizeitnutzung für die Bevölkerung. In der Grafik sind die Jahressummen der in Österreich geschaffenen Retentionsvolumen der Hochwasserrückhalteräume dargestellt.

Grafik Sicherung von natürlichen Hochwasserrückhalteflächen 2017-2020 - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

Sicherung von natürlichen Hochwasserrückhalteflächen in Österreich 2017–2020

Vorausschauendes Hochwasserrisikomanagement verfolgt die Zielsetzung, dass wichtige Rückhalteräume von hochwertigen Nutzungen freigehalten werden. Durch die Sicherung von Retentionsflächen kann dieses Ziel erreicht werden. Gleichzeitig wird damit ein Beitrag zum Hochwasserschutz für unsere Siedlungsräume geleistet. In der Grafik sind die Jahressummen der in Österreich gesicherten Hochwasserrückhalteflächen dargestellt.

Grafik Waldbrände in Österreich 2015-2020 - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen

Waldbrände in Österreich

Das Risiko durch Waldbrände hat in Österreich infolge des Klimawandels durch Hitze und Trockenheit stetig zugenommen. Etwa 85 % der Waldbrände haben ihre Ursache in menschlichen Aktivitäten. Jährlich treten im Durchschnitt 170 Waldbrände mit einer Gesamtschadensfläche von 51 ha auf. Im Rahmen des neu geschaffenen Waldfonds stellt die Bundesregierung insgesamt 9 Millionen Euro für Waldbrandprävention zur Verfügung.

Hinweiskarte Schutzwald in Österreich

Die Hinweiskarte Schutzwald ist eine auf Basis von wissenschaftlichen Methodiken modellierte Karte der potentiellen Standort- und Objektschutzwälder in Österreich. Visualisiert wird explizit die Schutzfunktion (nicht die Wirkung, die Abhängig vom aktuellen Waldzustand wäre). Derzeit wird die Karte mit den zuständigen Behörden evaluiert. In dieser Darstellungsform wird nicht die Möglichkeit einer Förderung beziehungsweise die besondere Behandlung abgebildet. Es besteht keine rechtliche Bindung. Weitere Informationen und der Zugang zur Online-Applikation finden Sie unter www.schutzwald.at/karten.

Grafik Hinweiskarte Schutzwald in Österreich - Kernaussagen sind dem Erklärtext im Artikel zu entnehmen