Konsultation Bio-Aktionsprogramm, das Ergebnis

Bio Enquette 2022
Minister Totschnig, Obfrau Grabmann, Präsident Moosbrugger bei der Bio-Enquete 06.12.2022 (Vorstellung des Bio-Aktionsprogramms 2023+) Foto: BML/ Lendl / Christian Lendl

Einarbeitung von Stellungnahmen im Rahmen der öffentlichen Konsultation des Bio-Aktionsproramms 2023+ (Oktober 2022)

Die öffentliche Konsultation und deren Ergebnisse:

Mit der öffentlichen Konsultation des Bio-Aktionsprogrammes 2023+, die im Oktober 2022 stattgefunden hat, gab es für Interessierte erstmals die Chance sich an der Erstellung des Bio-Aktionsprogrammes zu beteiligen. Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft (BML) bedankt sich für die vielen konstruktiven Stellungnahmen, die im Rahmen der öffentlichen Konsultation übermittelt wurden. Es ist sehr erfreulich, dass die allgemeine Wahrnehmung der Entwicklung der biologischen Landwirtschaft und der weiteren Vorgehensweise sehr positiv ausgefallen ist. Der für die öffentliche Konsultation vorbereitete Entwurf wurde in Zusammenarbeit mit den Landwirtschaftskammern, Bioverbänden, Forschungseinrichtungen und maßgeblichen Einrichtungen des Ressorts sowie dem Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz erarbeitet. Im weiteren Prozess wurden die zugesendeten Stellungnahmen zum Entwurf gesichtet und anschließend diskutiert. Die Stellungnahmen flossen in die Fertigstellung des Bio-Aktionsprogrammes 2023+ mit ein. Neben Umformulierungen, Erläuterungen und Richtigstellungen wurden auch neue Aspekte ergänzt. Insgesamt wurden weniger Stellungnahmen als erwartet übermittelt, was darauf hinweist, dass durch die gemeinsame Erarbeitung mit den genannten Akteurinnen und Akteure der biologischen Landwirtschaft bereits sehr viele Aspekte im Programm berücksichtigt wurden. Das Programm soll als Leitfaden dienen und die biologische Erzeugung vom Feld bis zum Teller zu fördern, damit nicht nur das Ziel von 30 % Bio-Flächenanteil bis 2027 erreicht wird, sondern auch das nun im Programm konkret erwähnte Ziel von 35 % Bio-Flächenanteil ab dem Jahr 2030.

Ergänzungen bei Schwerpunktthemen für die biologische Erzeugung

Bei den Schwerpunktthemen des Programmes im Bereich Produktion und Absatz wird durch die eingereichten Wünsche noch stärker auf den Zusammenschluss von Bio-Akteurinnen und Akteure eingegangen, um damit zB. den Bio-Absatz in der Gemeinschaftsverpflegung (Gastronomie, Kantinen usw.) zu steigern. Um einen Zielwert anzugeben, wird das Ziel von 55 % Bio-Anteil in den Lebensmitteln in der öffentlichen Verpflegung bis 2030 im Programm genannt. Des Weiteren wird die Förderung von Kooperationen im Bereich Bio-Wissen und Innovation nun stärker berücksichtigt und dem Wissenstransfer mehr Raum geboten. In Bezug auf Innovation kommen die Themen Tierwohl und die Erhöhung der regionalen Bio-Wertschöpfung im Bio-Aktionsprogramm noch stärker in den Fokus. Im Bereich Wissen und Weiterbildung sollen zukünftig Beraterinnen und Berater verstärkt in der ihrer Weiterbildung unterstützt werden. Eine EU-weite Vernetzung spielt eine wichtige Rolle auch in der Forschung.  Im Allgemeinen soll die Öffentlichkeit umfangreich über den ökologischen Mehrwert von Bio-Produkten und deren Qualität informiert werden.

Vervollständigung der Maßnahmenvorschläge

Im Bereich Beratung und Schulen gab es vor allem Wünsche für Themen, die zusätzlich zu den genannten Themen abgedeckt werden sollten, da sie zukünftig noch relevanter werden. So sollen im Zusammenhang mit der Vernetzung zwischen landwirtschaftlichen Schulen und Regelschulen in Zukunft auch die Themenfelder Pflanzenschutz/Bestäuber und Klima/Kreislaufwirtschaft mit aufgenommen werden, damit der Problematik dieser Themen zeitgerecht bei Jugendlichen auf den Grund gegangen wird.

Im Bereich Forschung wurde der Wunsch geäußert, dass der Verzicht von Gentechnik deutlich vermerkt werden sollte. Bei der Verfolgung neuer Zuchtmethoden wird mit dem Zusatz „ohne Gentechnik“ klar angeführt, dass es sich dabei um Fortschritte in der Zuchtmethodik ohne Gentechnik handelt, was im Programm eines der Grundansätze der biologischen Landwirtschaft wiederspiegelt. Außerdem wird der Maßnahmenvorschlag, Forschungsergebnisse in einer Broschüre für Konsumentinnen und Konsumenten über die Vorteile der Weidehaltung zur Fleischerzeugung, nun im Programm als eigener Punkt gelistet.

Bei der Verarbeitung, Vermarktung und Lebensmittelqualität wird eine Bio-Zertifizierung der Gastronomiebetriebe mit Bio-Speisen-Angebot zusätzlich als Ziel angestrebt. Zudem wird bei der Durchführung von Marktanalysen, die als Grundlage für Kenntnisse zur Marktsituation dienen, ergänzend zur Marktforschung und Bedarfsanalysen die Datensammlung mit in das Programm aufgenommen. Insbesondere bei Umsetzungsmaßnahmen von der Förderung der Beratung für mehr Bio in der Gemeinschaftsverpflegung soll zusätzlich das BMSGPK eingebunden werden. Im Bereich der Vermarktung sollen auch Eigenmarken der Landwirtinnen und Landwirte forciert werden besonders, wenn diese über die Verarbeitungsbetriebe wieder im Eigentum der Betriebe stehen. Es wurde entschieden, dass die Verarbeitung mit Startfinanzierungen gefördert werden soll, damit der Ausbau hier gelingen kann.

Die Öffentlichkeitsarbeit die aus wirkungsvollen Instrumenten zusammengesetzt werden kann, dient dazu Informationen, Haltungen aber auch Erfolge sowie Lösungsvorschläge für Herausforderungen transparent an die Zielgruppe zu transportieren. Deswegen soll in diesem Bereich zusätzlich zu den bereits vorhandenen Maßnahmenvorschlägen eine Unterstützung in Planung und Abgeltung für Schulklassen, die Bio-Bauernhöfe besuchen bereitgestellt werden, damit die Wertschätzung für die biologische Landwirtschaft schon bei den Jüngsten vermittelt wird, die sie dann weitertragen können.

Ausblick

Abschließend ist hervorzuheben, dass eine gute Zusammenarbeit eine zentrale Rolle in der Umsetzung des Bio-Aktionsprogrammes 2023+ sein muss, um die ambitionierten Ziele erreichen zu können. Nur so wird es gelingen in den kommenden Jahren gemeinsam das Beste für die biologische Landwirtschaft zu bewirken und einen guten und stabilen Weg für die Zukunft zu ebnen. Zudem soll es auch in Zukunft nicht an innovativen Ideen in der biologischen Lebensmittelproduktion und deren Umsetzungsmöglichkeiten fehlen, damit Konsumentinnen und Konsumenten weiterhin mit qualitativ hochwertigen und ressourcenschonend hergestellten Bio-Produkten versorgt werden können. Es ist vor allem Aufgabe der Bereiche Forschung, Beratung und Weiterbildung weiterhin die Basis dafür zu schaffen und mit neuen Erkenntnissen auch weiterführende Bereiche zu ermöglichen. Wenn der Wille vorhanden ist, bietet das neue Bio-Aktionsprogramm 2023+ viele Chancen, die biologische Landwirtschaft und die Nachfrage nach deren Erzeugnissen noch weiter auszubauen und die Zusammenarbeit zwischen den darin genannten Bereichen zu stärken.

Das Bio-Aktionsprogramm 2023+ wurde bestmöglich nachbearbeitet und bei der Bio-Enquete am 6. Dezember 2022 im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft vorgestellt. Vertreterinnen und Vertreter des BML, der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen, der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit sowie von landwirtschaftlichen Schulen haben über Neugestaltungen im Programm berichtet. Im Anschluss wurden die politischen Möglichkeiten der Umsetzung im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit Bundesminister Totschnig, Obfrau Grabmann und Präsident Moosbrugger diskutiert, in welche auch die an der Veranstaltung Teilnehmenden miteinbezogen wurden.

Nun gilt es die Herausforderungen gemeinsam anzunehmen und die gesetzten Ziele Schritt für Schritt gemeinsam umzusetzen. Dafür braucht es vor allem eine gute Zusammenarbeit aber auch den ein oder anderen Blick über den Tellerrand.

Link zum Bio-Aktionsprogramm 2023+: Das Bio-Aktionsprogramm 2023+ (bml.gv.at)